Spuni und Landsmót 2012?

Interview mit Ólafur und Finnur in Vesturkot

29.11.2011 - 14:44
Hófapressan zu Besuch in Vesturkot. Dieses Jahr war ohne jeden Zweifel ein außergewöhnliches Jahr für diesen Hof im Südwesten von Island, als der erst 5 Jahre alte Hengst Spuni frá Vesturkoti alle Rekorde auf dem Landsmót brach.
 
Jeder fragt sich nun, was passiert mit Spuni nächstes Jahr? Wird er versuchen seinen eigenen Rekord einzustellen? Oder wird er sogar im Gaeðingarkeppni A-Flokkur antreten?

Spuni's Entwicklung dieses Jahr war sehr aufregend. Nach der ersten FIZO in Sörlastöðum im Mai als er seine Qualifikation für das Landsmót erhielt (8,66 gesamt), lag er bereits auf dem dritten Platz aller 5-jährigen Hengste die je geprüft wurden, nach Þóroddur frá Þóroddsstöðum und Oliver frá Kvistum.

Spuni hatte damit die höchste Qualifikationsnote aller 5 jährigen Hengste auf dem Landsmót dieses Jahr. Die Erwartungen waren somit bereits sehr hoch. Aber was dann geschah konnte niemand vorhersehen. Ok, das stimmt nicht ganz, wie später im Artikel zu lesen wussten der Trainer Óli Draumur, der Besitzer Finnur Ingólfson und der Reiter Þórður Þorgeirsson ganz genau was Spuni zu leisten fähig war.

Im ersten Durchgang erhielt Spuni 8,87 gesamt und bekam somit bereits den Titel ,,höchst beurteilter Hengst'' (über alle Altersklassen). Nur die Stute Lukka frá Stóra-Vatnsskarði aus dem Besitz von Benedikt G. Benediktsson und von seinem Vater gezüchtet hatte noch eine höhere Gesamtnote mit 8,89.

Nun begannen die Spekulationen: Welche Einzelnote kann Spuni erhöhen um sich auch den Titel des am höchsten beurteilten Pferdes aller Zeiten zu sichern? Tölt? Galopp? Was dann geschah, war so unglaublich, man konnte Tränen nicht nur bei den Leuten direkt um Spuni herum sehen.

Nach dem ersten Durchgang war sich natürlich schon jeder einig, Spuni ist ein erstaunliches Pferd, keine Frage. Aber er sieht doch extrem temperamentvoll aus, seine Energie ist bestimmt so explosiv, nur wenige Menschen können ihn reiten und sein Temperament kontrollieren.
Þórður zerstört dieses Gerücht im zweiten Durchgang mit einer solch arroganten Selbstsicherheit dass selbst die letzten Skeptiker ruhig gestellt waren.

Zweiter Durchgang, Þórður beginnt mit Tölt. Spuni hat bereits 9 für Tölt aus dem ersten Durchgang. Zur Erhöhung dieser Note muss er zuerst die Note für langsames Tempo Tölt wo er die Note 8 aus dem ersten Durchgang mitgenommen hat erhöhen. Es besteht die Regel dass die Note für Tölt nur eine ganze Note höher als die für langsamen Tölt sein darf.
Nächste lange Seite, Þórður reitet Pass (Spuni hat bereits die Höchstnote 10 für Pass). Dritte lange Seite (die Reiter haben nur 6 Längen im 2. Durchgang), wieder Tölt, aber nur mit einer Hand am Zügel geritten.

Nun wird es den Zuschauern klar, Þórður will auch die 10 auf Charakter und Temperament haben.

Vierte Gerade, Þórður beginnt mit Tölt, wieder nur eine Hand an den Zügeln. Dann, scheinbar mühelos mit nur einer Hand pariert er zum Schritt durch und reitet diesen am ganz lockeren Zügel. Man kann die enorme Kraft und das Temperament dieses Hengstes sehen aber zur gleichen Zeit auch seine Kooperativität und seinen Willen mit dem Reiter zu arbeiten.

Genug mit Schritt, Übergang zum energischen Tölt. Þórður scheint nur daran denken zu müssen, Spuni reagiert. Nächste Seite, Trab (9 nach dem ersten Durchgang). Letzte Lange Seite, zeigt er nun langsames Tempo Tölt oder Galopp? Nein, natürlich nicht, Þórður und Spuni wieder im Pass, und das mit nur einer Hand!
Keine Frage, es war nun jedem klar, noch bevor die Richter es verkündeten:

Spuni hat nun auch die 10 für Charakter und Temperament!

Mit dieser Verbesserung hat der erst 5 jährige Hengst alle Rekorde gebrochen. Er steigerte die Gesamtnote auf fantastische 8,92 und überbot mit diesem Ergebnis Lukka's Rekord (8,89) den sie seit dem Landsmót 2008 (auch geritten von Þórður Þorgeirsson) inne hatte. Spuni wurde damit das am höchsten beurteilte Pferd überhaupt.

Aber Spuni brach noch einen weiteren Rekord. Bis dato hatte die legendäre Rauðhetta frá Kirkjubæ die höchste Note für Reiteigenschaften mit 9,23 inne. Sie wurde auch von Þórður vorgestellt. Spuni brach diesen Rekord nun, er erhielt unglaubliche 9,25.

Und noch mal, man kann es nicht oft genug betonen, das mit nur 5 Jahren! Die Ausnahmestute Lukka war 7 Jahre alt als sie ihr höchstes Ergebnis erhielt und Rauðhetta sogar schon 15 Jahre.

Natürlich war die Kombination Þórður und Spuni perfekt, aber wenn ein Pferd in so jungen Jahren alle Rekorde bricht muss die Ausbildung des Pferdes ebenfalls perfekt gewesen sein. Wenn man über Spuni spricht muss man seinen Trainer Óli Draumur im gleichen Atemzug erwähnen. Er baute diesen jungen Hengst von Anfang an auf und kennt ihn sicher besser als jeder andere.

Hófapressan bot sich jetzt die Chance während unseres Besuchs in Vesturkot mit Óli Draumur (Óli, der Traum) und Finnur Ingólfson, dem Besitzer und Züchter von Spuni ein Interview zu führen, vielen Dank dafür!

Hófapressan / Sabine: Spuni brach in diesem Jahr bereits alle Rekorde, und das mit nur 5 Jahre. Gibt es da überhaupt noch Raum für Verbesserung?

Óli: Ja, ich weiß dass er sich noch verbessern kann. Er ist noch so jung und hat schon so erstaunliche Dinge getan. Er kann sich sicher im Tölt, Trab, Galopp und Schritt steigern.

Hófapressan / Sabine: Was ist das Besondere an ihm? Bitte beschreib Spuni für uns.

Óli: Er hat einen einmalig tollen Charakter. Es fällt ihm nicht immer ganz leicht einfach nur still zu stehen. Er ist ein Pferd was arbeiten will. Seit ich ihn eingeritten habe, während all seines Trainings, hatte ich nie einen schlechten Ritt mit ihm. Er gibt immer sein bestes, ist immer positiv, wie auch Þórður betonte am Montag auf Landsmót beim Ausprobieren. Þórður war völlig begeistert von ihm, Spuni war da sogar noch besser als später in der Prüfung. Auch Þórður sagte, dass in diesem Pferd keine Grenzen zu finden sind, er wird nur immer besser und besser.
Spuni war schon im Februar in sehr guter Form, ich war wirklich besorgt ob ich vielleicht zu viel mache und er schon zu früh in der Saison zu gut ist und er diese Form nicht halten können wird.
Mehr als einmal habe ich ihn im Training nach Hause geführt weil er so gut war.
Nach einer Weile habe ich aber aufgehört darüber nachzudenken und mir Sorgen zu machen, dieses Pferd hat einfach keine Grenzen.


Hófapressan / Sabine: Nun kommt die Frage die sich im Moment jeder stellt, Sehen wir Spuni nächstes Jahr auf dem Landsmót wieder?

Óli: ... Pause ... Wir haben das noch nicht endgültig entschieden. Sicher ist aber dass ich ihn in ein bis zwei Wochen wieder in den Stall holen werde. Er wird diesen Winter in vollem Training sein.
Aber man muss ernsthaft bleiben, dieses Pferd hat für mich alles getan, er ist ein sehr guter Freund.
Aber lass es mich mal so ausdrücken, falls wir nächstes Jahr zum Landsmót gehen und im A-Flokkur antreten werden, dann brauchen wir uns auch vor den Besten nicht zu verstecken.


Hófapressan / Sabine: Nach all den Rekorden dieses Jahr wird er nächstes Jahr zumindest einen weiteren aufstellen. Wie viele Fohlen werden von ihm erwartet? Ich weiß nur dass kein anderer Islandhengst jemals einen größeren Jahrgang hatte!

Óli / Finnur: Es werden ungefähr 150 Fohlen erwartet. Bereits 30 bis 40 Stuten waren vor dem Landsmót von ihm trächtig. Nach der ersten FIZO im Mai in Sörlastöðum ging er für zwei Wochen auf die Besamungsstation Sandhólaferju, wo ich ihn auch weiter trainiert habe. Zwei Wochen vor dem Landsmót kam er wieder nach Vesturkot wo er dann bis zum Landmót keine Stuten mehr hatte. Nach seinem Erfolg wollten ihn dann natürlich viele Stutenbesitzer  einsetzten. Nach seinen Ergebnissen auf dem Landsmót wollten viele Stutenbesitzer ihn natürlich einsetzen. Er war dann wieder in Sandhólaferju und hier in Vesturkot mit Stuten auf unseren Weiden.

Hófapressan / Sabine: Gibt es schon viele Anmeldungen für das nächste Jahr?

Finnur: Die Planung für Spuni's Saison nächstes Jahr ist noch im Gange. Wir haben uns noch nicht entschieden wie hoch die Decktaxe sein wird. Ab Februar wird es ein Anmeldeformular für Stuten geben. Es ist aber unglaublich, es haben bereits zwischen 80 und 90 Stutenbesitzer angefragt.

Óli: (lacht) Spuni kann den zahlreichen Orrinachkommen helfen (Orri ist nirgends in seiner Abstammung zu finden).
 

Information zu Spuni's Abstammung:
Spuni ist ein Sohn von Álfasteinn frá Selfossi, der wieder rum von Keilir frá Miðsitju und Álfadís frá Selfossi abstammt.
Die Mutter von Spuni ist Stelpa frá Meðalfelli, eine Tochter von Oddur frá Selfossi und Eydis frá Meðalfelli.

 
Hófapressan / Sabine: Óli, ich weiß, dass du Spuni's jüngeren Halbbruder (V: Sædynur frá Mula) im Training hast. Ist er so gut wie Spuni?

Óli: Sæmundur startet sehr gut, er ist ähnlich zu Spuni beim Einreiten. Die Charaktäre der beiden sind sich sehr ähnlich.

Hófapressan / Sabine: So gut wie Spuni?

Óli: (lacht) Er wird wirklich gut.

Hófapressan / Sabine: Hast du noch andere interessante Pferde diesen Winter im Training?
 
Óli: Ja, wir haben einige sehr gute Pferde hier im Stall, zum Beispiel Álfadrottning frá Austurkoti (V: Álfur frá Selfossi). Wir erwarten, dass sie ihre bereits gute Note (8,34) deutlich erhöhen wird und nächstes Jahr auf das Landsmót gehen wird. Auch Gustur frá Gýgjarhóli und Heimur frá Votmúla 1 sind hier und ein paar weitere Pferde, die dieses Jahr unter den besten 10 in ihren Klassen auf dem Landsmót lagen.

Hófapressan / Sabine: Es geht das Gerücht um, dass nun alle Pferde die mit Þórður im Training waren oder jetzt sein würden nun nach seinem Umzug nach Deutschland hier mit dir im Training sind.

Óli: Ja, wir arbeiten wirklich sehr gut zusammen.

Hófapressan / Sabine: Vielen Dank noch Mal für das Interview!

Nach dem Interview ging ich mit Óli auf die Weide auf der Spuni mit zwei bereits trächtigen Stuten steht. Ich durfte jetzt live erleben, was Óli meinte als er Spuni's Charakter beschrieb. Als Spuni uns kommen sah folgte er uns auf seiner Seite des Zauns und als Óli das Tor öffnete ging Spuni sofort auf ihn zu. Das sehr gute Verhältnis zwischen dem Hengst und seinem Trainer war unübersehbar. Es war als ob er verlangte mit in den Stall genommen zu werden und endlich wieder mit der Arbeit anfangen zu dürfen. Seine Aufgabe hier bei den Stuten ist vollbracht, eine neue Aufgabe muss nun wieder her.

Spuni, mit Sicherheit eine starke Persönlichkeit! Wir freuen uns auf seine leuchtende Zukunft.
 
Reporter
Sabine Girke
sabine@hofapressan.is
 
Video 1: Spuni im zweiten Durchgang am Landsmót
Video 2: Óli and Spuni Anfang 2011
Video 3: Spuni's 2jähriger Bruder Strákur (V: Þeyr frá Akranesi)
Video 4: Lukka frá Stóra-Vatnsskarði, die höchst beurteilte Stute überhaupt
Video 5: Rauðhetta frá Kirkjubæ